Auch Schlanke können Diabetes bekommen

Knapp jeder fünfte Mensch hat ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, obwohl sein Gewicht im normalen Bereich liegt. Ist schlank immer gesund….?

Das ist das Fazit einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Tübingen und des Helmholtz Zentrums München. Offenbar haben Betroffene eine Fehlfunktion in der Fettspeicherung, sodass sie kaum Fett in den Oberschenkeln einlagern.

Infolge dieser Stoffwechselstörung ist ihr Herz-Kreislauf-Risiko im Vergleich zu Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel um mehr als das Dreifache erhöht. Das Risiko ist sogar höher als bei übergewichtigen Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel.

Die Wissenschaftler hatten Literaturdaten ausgewertet und zusätzlich eine eigene Studie durchgeführt. An der Untersuchung nahmen 981 Probanden mittleren Alters teil, die aus verschiedenen Gründen ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hatten.

Es wurden unter anderem verschiedene Stoffwechselparameter, die körperliche Fitness und der Zustand der Blutgefäße bestimmt. Ähnlich wie in der Literatur hatten 18 Prozent der schlanken Teilnehmer einen geschädigten Stoffwechsel.

Das bedeutet, sie zeigten zwei oder mehr Risikofaktoren für ein so genanntes Metabolisches Syndrom wie zu viel Bauchfett, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Insulinresistenz.

Bei einer Insulinresistenz spricht der Körper nicht mehr ausreichend auf das Hormon an, was ein erstes Anzeichen für einen gestörten Zuckerstoffwechsel sein kann.

Gefährlich: schlanke Beine, dicker Bauch

Mithilfe der Magnetresonanz-Spektroskopie wurden das Körperfett, die Fettverteilung und der Fettanteil in der Leber untersucht. Es zeigte sich, dass die Betroffenen nur wenig Fett an den Beinen speichern. Im Erscheinungsbild ähnelten sie Menschen mit einer Veränderung des Unterhautfettgewebes, auch Lipodystrophie genannt.

Bei Schlanken ist das fehlende Fett an den Beinen am stärksten mit einem geschädigten Stoffwechsel assoziiert, während bei übergewichtigen Menschen eine nichtalkoholische Fettleber und ein erhöhter Bauchfettanteil die größten Risikofaktoren sind. Zwischen den Geschlechtern gab es keine wesentlichen Unterschiede.

Die Wissenschaftler raten dazu, die Studienergebnisse auch auf die Praxis zu übertragen. Wenn Schlanke zwei oder mehr Merkmale des Metabolischen Syndroms aufweisen und kaum Fett an den Beinen speichern, sollten mögliche Schädigungen des Stoffwechsels sorgfältig geprüft und Empfehlungen zu einem veränderten Lebensstil sowie zur medikamentösen Behandlungen ausgesprochen werden.

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