Deutsche Leberstiftung warnt vor Knollenblätterpilzen

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Die Monate September und Oktober gelten als Hauptsaison für Pilze. Neben den essbaren Arten gibt es sehr gefährliche Giftpilze, deren Verzehr zum Tode führen kann. Dazu gehört der Knollenblätterpilz. Im Falle einer Vergiftung ist schnelles Handeln absolut notwendig. Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Europa und für die meisten tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Für die lebensbedrohliche Wirkung des Knollenblätterpilzes sind so genannte Amatoxine verantwortlich, vor allem das alpha-Amanitin. Es kann schon ein einzelner verspeister Pilz tödlich giftig sein. Der Knollenblätterpilz ist deshalb so gefährlich, weil in den ersten Stunden nach dem Verzehr keine Beschwerden auftreten. Wenn das Gift Wirkung zeigt, hat es sich bereits im ganzen Körper verteilt.

Die Beschwerden setzen nach etwa sechs bis 20 Stunden mit Übelkeit, Erbrechen, krampfartigen Bauchschmerzen und Durchfall ein. Rasch kann sich ein Leber- und Nierenversagen entwickeln. Eine Erhöhung der Leber- und Nierenwerte sind Zeichen einer systemischen Vergiftung.

Pilzsachverständige geben Sicherheit
Der Knollenblätterpilz wächst von August bis Oktober in Laub- und Mischwäldern und kann – wie andere giftige Pilze – mit essbaren Pilzen verwechselt werden. Pilzsammler sollten daher gefundene Pilze vor dem Verzehr von einem Pilzsachverständigen bestimmen lassen.

Die Pilzvergiftung kann behandelt werden. Bei günstigem Verlauf zeigt sich nach sieben bis zehn Tagen ein kompletter Rückgang der Symptome. Es liegt dann eine vollständige Heilung vor. Zur Therapie gehören die intravenöse Gabe von Flüssigkeit und Silibinin. Das Silibinin hemmt die Aufnahme eines Giftes in die Leberzellen. Eine weitere Behandlungsmaßnahme scheint der frühzeitige Einsatz von speziellen Dialyse-Verfahren darzustellen. Erfahrungen zeigen, dass die so genannte Albumin-Dialyse den Verlauf eines Leberversagens verlangsamen kann.

Eine frühe Diagnose der Vergiftung und ein unverzüglicher Beginn der Behandlung sind für die Heilungsaussichten extrem wichtig. „Deshalb sollte jede Person, die nach dem Verzehr wilder Pilze Symptome einer Vergiftung zeigt, umgehend einen Notarzt rufen bzw. sich in einem Krankenhaus melden und ggf. frühzeitig in ein Transplantationszentrum verlegt werden“, fordert Prof. Dr. Hartmut Schmidt, Direktor der Klinik für Transplantationsmedizin des Universitätsklinikums Münster, der bereits viele Patienten mit Pilzvergiftungen behandelt hat. Um die Diagnose zu erleichtern, sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben und an den Arzt weitergegeben werden.

Transplantation als letzte Chance
Wenn das akute Leberversagen extrem schnell verläuft, ist die Lebertransplantation die einzig verbleibende Behandlungsmöglichkeit. Das Leberversagen kann so akut verlaufen, dass Patienten innerhalb weniger Tage am Versagen der Leber versterben können.

„Aufgrund der Schwere der Vergiftung kann eine Transplantation die letzte Chance sein“, erklärt Prof. Hartmut Schmidt. „Aber eine Spenderleber steht nicht immer zur Verfügung. Deshalb kann eine Pilzvergiftung tödlich enden. Im letzten Jahr gab es zahlreiche Knollenblätterpilz-Vergiftungen. Vor allem waren davon Flüchtlinge betroffen, die den Knollenblätterpilz mit einem heimischen essbaren Pilz verwechselt hatten. In einigen Fällen konnten wir das Leben der Patienten leider nicht retten“, weist er auf die Gefährlichkeit der Vergiftungen hin.

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