Diabetes: Gebrechlichkeit vorbeugen

Viele jüngere Menschen mit Diabetes kämpfen ein Leben lang gegen Übergewicht, vor allem gegen das bauchbetonte Übergewicht. Im höheren Lebensalter kann zumindest leichtes Übergewicht ein Schutzfaktor gegen den drohenden Verlust von Muskelmasse sein. Und gegen das, was im internationalen Sprachgebrauch „Frailty“ heißt, das Schwach- und Gebrechlich-Werden.

Wegen der steigenden Lebenserwartung wird die Zahl der betagten gebrechlichen Menschen drastisch zunehmen wird, sodass das Thema Frailty in den nächsten Jahren zu einer ganz großen Bedrohung in allen Nationen werden wird. Typ-2-Diabetes und das Metabolische Syndrom (= zu viel Bauchfett, Bluthochdruck, erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte) sind paradoxerweise Risikofaktoren für die Entwicklung von Gebrechlichkeit.

Derzeit läuft eine große EU-geförderte Studie mit dem Titel MID frial (www.midfrail-study.org), an der 1.700 Typ-2-Diabetiker jenseits der 70 aus sieben Nationen teilnehmen. Teilnahme-Kriterium: Gebrechlichkeit. Mit Hilfe des so genannte Barthel-Index misst man die Fähigkeit der Teilnehmer, ihren Alltag zu bewältigen (von Essen über Toilettenbenutzung bis Treppensteigen).
Die Diabetiker wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe bekommt regelmäßige Tests der Blutwerte und Untersuchungen von Kraft, Geschwindigkeit, Gleichgewicht usw. (ein so genanntes geriatrisches Assessment). Die andere Hälfte bekommt spezielle Schulungen, Ernährungsberatung und Krafttraining (an Geräten). An der Medikamenten-Gabe wird nichts verändert. Die Studienleiter hoffen, eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und einen Rückgang der Gebrechlichkeit zu erreichen.

Besser wäre es, der Gebrechlichkeit vorzubeugen. Das geht mit Bewegung – sofern man rechtzeitig im Leben damit angefangen hat. Alles, was man an sinnvoller Aktivität auf seinem Lebens-Bewegungs-Konto angesammelt hat, ist eine Prophylaxe gegen Gebrechlichkeit und hat Langzeitwirkung. Das Wiederaufnehmen oder Beibehalten von Aktivität, wenn es bereits in Richtung Abbau geht, ist schwieriger. Doch jede Bewegung ist besser als keine.

Einer Gebrechlichkeit vorbeugen lässt sich auch mit Insulin. Jeder jüngere Typ-2-Diabetiker, dem man sagt, er brauche nun leider Insulin, bekommt Angst. Einerseits davor, dass nun der Diabetes ganz schlimm geworden ist. Andererseits Angst vorm Dickwerden. Letztere ist nicht unbegründet. Insulin gilt als Masthormon. Doch im Alter ist Insulin eine große Hilfe. Der Hauptvorteil im Alter ist die anabole Wirkung von Insulin. Nicht umsonst wird Insulin (leider) auch als Dopingmittel eingesetzt.

Ganz wichtig ist, dass man rechtzeitig mit einer Insulintherapie beginnt, und nicht erst, wenn die Gebrechlichkeit schon fortgeschritten ist. Die Betroffenen können bald spüren, welche Vorteile sie durch eine entsprechende Therapie haben. In einer anabolen Stoffwechsel-Situation fühlt man sich einfach besser.

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