Diabetes: Rolle der elterlichen Ernährung

Wenn es um Diabetes Typ 2 und Übergewicht geht, gilt nach neuesten Studienergebnissen die Devise: „Du bist, was Deine Eltern gegessen haben“. Denn sowohl die Stoffwechselstörung wie auch Adipositas werden epigenetisch an die Nachkommen weitergegeben.

Im so genannten Mausmodell (volkstümlich: „Tierversuch“) zumindest trifft dies zu. Über Eizellen und Spermien können Fettleibigkeit und Diabetes epigenetisch an die Nachkommen vererbt werden. Das konnten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) am Helmholtz Zentrum München um Prof. Dr. Johannes Beckers in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München nachweisen.

Das Forscherteam vom Institut für Experimentelle Genetik (IEG) am Helmholtz Zentrum verwendete für seine Untersuchung Mäuse, die aufgrund einer fettreichen Nahrung stark übergewichtig geworden waren und einen Typ-2-Diabetes entwickelt hatten. Die Nachkommen dieser Mäuse wurden ausschließlich über In-vitro-Fertilisation aus Eizellen und Spermien gewonnen. Ausgetragen wurden die Nachkommen dann von gesunden, normalgewichtigen Leihmüttern.

„So konnten wir sicherstellen, dass die Vererbung, die wir sehen, tatsächlich über Eizellen und Spermien an die Nachkommen weitergegeben wurden“, erklärt Studienleiter Beckers, stellvertretender Institutsleiter im IEG, in einem Interview auf dem Videoportal Vimeo  https://vimeo.com/158160251

Zusätzliche Faktoren wie das Verhalten der Eltern, das möglicherweise an die Nachkommen hätte weitergegeben werden können und auch Einflüsse der Mutter während der Schwangerschaft und des Säugens wurden so minimiert.

Die Ernährung der Eltern vor der Zeugung hat sehr wahrscheinlich einen Einfluss auf den Stoffwechsel und das Übergewicht der Kinder. Nun müssen Nachfolgeexperimente beweisen, dass die bisherigen Beobachtungen richtig sind.

 

Seit gut 50 Jahren rasanter Anstieg bei Diabetes Typ 2

Laut WHO hatten im Jahr 2014 rund 422 Millionen Menschen weltweit eine Diabeteserkrankung. Damit hat sich die Zahl der Erkrankten seit 1980 fast vervierfacht, damals gingen Experten noch von rund 108 Millionen Erkrankten aus. Weiterlesen Nach Schätzungen aus Versorgungsdaten lag die Diabetesprävalenz in Deutschland im Jahr 2007 bei 8,9%. In absoluten Zahlen sind dies über 7 Millionen Menschen in Deutschland, die wegen eines Diabetes mellitus behandelt wurden. Nur 5 bis 10 % davon sind an Typ-1-Diabetes erkrankt. 1998 lag die Prävalenz von Diabeteserkrankungen in Deutschland noch bei 5,9%.

Durch genetische Veränderungen allein sei der weltweite Diabetesanstieg nicht zu erklären – dazu schreite er zu schnell voran. Aber durch epigenetische Vererbung könnte der rasante Diabetes-Anstieg erklärt werden „Ein durch Ernährung erworbener Diabetes kann über Eizellen und Spermien direkt an die Nachkommen vererbt werden. Das geschieht epigenetisch – die Änderung erfolgt also nicht innerhalb der DNA-Sequenz sondern außerhalb“, erklärt Beckers. Während die genetische Vererbung im Genom fixiert ist, wird die Erbsubstanz bei der Epigenetik nur vorübergehend geändert, bestimmte Schalter werden an und ausgeschaltet. Es handelt sich nicht um substanzielle, sondern um modifizierende Veränderungen, die deshalb auch umkehrbar sind. „Man kann sich also überlegen, wie man die epigenetische Vererbung des erworbenen Diabetes vielleicht auch verändern kann“, meint Beckers. „Wir haben auch festgestellt, dass sowohl Mutter als auch Vater einen wichtigen Beitrag zur Diabetesentstehung bei den Nachkommen leisten“, erklärt Beckers. Ein erfreulicher Befund, denn dadurch werden veraltete Rollenzuschreibungen infrage gestellt werden. Bislang wird fast nur die werdende Mutter dazu angehalten, auf eine gesunde Lebensführung zu achten. Die Studienergebnisse zeigen aber, dass die Gesundheit der Nachkommen, ihr Adipositias- und Diabetes-Risiko eben nicht nur von der Mutter und ihrem Verhalten ab, sondern von beiden Geschlechtern.

Doch lässt sich von der Maus auch auf den Menschen schließen? Die Mechanismen der Epigenetik, die Veränderungen des Erbguts, die Methylierung an bestimmten Stellen beispielsweise, gelten für alle Säugetiere – insofern sind die Rückschlüsse auf den Menschen erlaubt.

Quelle: Du bist, was Deine Eltern gegessen haben: Typ-2-Diabetes und Adipositas werden auch epigenetisch weiter gegeben. Medscape. 07. Apr 2016.

Bildquelle: Fotolia_Kletr

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