Risiko-Screening für Diabetes Typ 1


Diabetes Typ 1 macht nur etwa drei bis fünf Prozent aller Diabetesfälle aus und tritt häufig bereits im Kindes- und Jugendalter auf. Durch modernste Behandlungsmöglichkeiten treten die typischen Spätfolgen nach jahrelangem Typ 1 Diabetes heute weniger häufig und zu einem späteren Zeitpunkt auf. Dennoch kann Früherkennung die Situation weiter verbessern.

Ursache eines Diabetes Typ 1 ist eine Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen in den Langerhansschen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) durch einen Autoimmunprozess. Vermutlich ist eine erbliche Veranlagung mitverantwortlich ebenso wie äußere Faktoren (beispielsweise bestimmte Virusinfektionen) und eine Fehlsteuerung des Immunsystems, wodurch körpereigene Abwehrzellen, also Antikörper, die insulinproduzierenden Zellen (Betazellen) der Bauchspeicheldrüse zerstören.

Diabetes Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Mit der „Freder1k“-Studie wird das Krankheits-Risiko bereits bei Neugeborenen analysiert. Etwa 30 von 1.000 Kindern tragen Risiko-Gene für Typ-1-Diabetes in sich. Bundesweit sind es zwischen 2.100 und 2.300 Kinder bis zum Alter von 15 Jahren. Da sich die Autoimmunerkrankung schleichend entwickelt – die Kinder fühlen sich lange Zeit wohl und wirken vollkommen gesund – bleibt ein Typ-1-Diabetes meist viele Jahre unerkannt. Dann jedoch äußert er sich schlagartig in oftmals lebensbedrohlichen Symptomen.

Das möchte die Initiative „Globale Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes“ – kurz GPPAD – mit der Freder1k-Studie in Sachsen verhindern. Die unter dem Titel „Typ-1-Diabetes-Risiko früh erkennen“ laufende, europaweit einmalige Studie bietet Eltern die Möglichkeit, ihr Kind im Zusammenhang mit dem regulären Neugeborenen-Screening auf das Risiko untersuchen zu lassen, ein Typ-1-Diabetes zu entwickeln. Diese Früherkennungsuntersuchung wird kostenfrei im Rahmen des Neugeborenen-Screenings angeboten. Weil die Information über ein erhöhtes genetisch bedingtes Typ-1-Diabetesrisiko eines Säuglings oder Kleinkindes die große Mehrheit der Eltern völlig unvorbereitet trifft, ist im Rahmen der Freder1k-Studie von der Übermittlung der Diagnose an eine strukturierte Information und psychologische Begleitung der Eltern vorgesehen. Ziel ist es, mit dem Ergebnis des Screenings verbundene Ängste frühestmöglich aufzufangen und übertriebenen Sorgen vorzubeugen.

„Frisch gebackene Eltern wollen für ihr Kind den perfekten Start ins Leben“, sagt Professor Pauline Wimberger, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums in Dresden. „Unsere Aufgabe ist es, dass wir unseren Patienten ein gutes Gefühl schenken und ihnen die Sicherheit geben, nach der sie suchen. Die „Freder1k“- Studie ist dazu perfekt. Denn mit einem geringen Aufwand lässt sich das individuelle Typ-1-Diabetesrisiko bestimmen. Allein in unserer Klinik wurden seit Anfang September 2016 615 Kinder in die Freder1k-Studie eingeschlossen.“

 

BU:
Prof. Pauline Wimberger (rechts) und Dr. Katharina Nitzsche, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Dresden, sind glücklich über das riesige Interesse an der Freder1k-Studie
© Medizinische Fakultät der TU Dresden/Stephan Wiegand

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