Weniger Kalorien durch High-Tech-Zusätze?

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Die Bundesregierung setzt künftig verstärkt auf Nanotechnologie in Lebensmitteln. Das sieht der „Aktionsplan Nanotechnologie 2020“ vor, der im September beschlossen worden ist. So sollen die winzigen High-Tech-Teilchen unter anderem den Zucker- und Fettgehalt in Lebensmitteln senken.

„Das geht auch einfacher“, kritisiert Professor Dr. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Hersteller müssten lediglich angehalten werden, ihre Rezepturen zu ändern. „Generell brauchen wir nicht mehr, sondern weniger Zusätze in unserem Essen“, ergänzt Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der DDG.

Mit dem Aktionsplan Nano 2020 https://www.bmbf.de/pub/Aktionsplan_Nanotechnologie.pdf will die Bundesregierung die Chancen der modernen Nanotechnologie nutzen und so die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Forschung und Produktion stärken. „Nano“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Zwerg. Ein Nanometer (nm) ist ein Milliardstel eines Meters, also 109 Meter. Wie man sich das besser vorstellen kann: Ein Nanopartikel verhält sich in der Größe wie ein Fußball zur Erde.

Nanomaterialien werden zum einen als wichtiger Motor für die Entwicklung neuer Arzneimittel, Diagnostika, Medizinprodukte sowie bildgebender Verfahren beschrieben. Zum anderen sollen die winzigen Teilchen „zu einer optimierten Ernährung und besseren Qualität von Lebensmitteln“ beitragen.

Weniger Salz, Zucker und Fett

Konkret heißt es dort: „Durch Verkapselung oder Größenreduktion in den Nanobereich lassen sich Lebensmittel mit einem geringeren Salz-, Zucker- und Fettgehalt herstellen, ohne dass das Geschmacksempfinden beeinträchtigt wird.“ Zudem sollen die winzigen Teilchen „unerwünschte Aromen“ – etwa bei Omega 3-Fettsäuren – „maskieren“ sowie für eine verzögerte Freisetzung oder verbesserten Transport durch die Darmwand sorgen. Durch die Nanoverkapselung von Biowirkstoffen würde generell eine erhöhte Stabilität der Lebensmittelmatrix erreicht, stellt der Aktionsplan fest.

Das hält die DDG für den falschen Weg. „Fertigprodukte beispielsweise enthalten ohnehin schon zu viele künstliche Zusatzstoffe und Aromen“, erklärt Garlichs. „Wenn zukünftig auch noch vermehrt Nanoteilchen einsetzt werden, erhöht sich der Anteil an künstlichen Bestandteilen weiter“, kritisiert auch Professor Dr. Hans Hauner, Ernährungsexperte an der Technischen Universität München. Gesunde Ernährung sollte sich genau in die entgegensetzte Richtung entwickeln – weg von Chemikalien und Zusatzstoffen, hin zu mehr naturbelassenen Produkten. Dieser Ansatz sei der beste Weg, eine hochkalorische Ernährung zu vermeiden. „Wer unverarbeitete Lebensmittel kauft und selbst zubereitet, hat die volle Kontrolle über Salz-, Zucker und Fettgehalt“, meint Hauner.

Nanoteilchen bereits in Lebensmitteln

Darüber hinaus hält die DDG den Nano-Ansatz zur Fett- und Zuckerreduktion nicht nur für unnötig, sondern auch für verwirrend. So kritisiert die Fachgesellschaft an dem Vorhaben auch mangelnde Transparenz. „ Die Zusammensetzung verarbeiteter Lebensmittel ist für Verbraucher jetzt schon verwirrend. Wenn zukünftig vermehrt Nanoteilchen zum Einsatz kommen, dann können viele Käufer gar nicht mehr nachvollziehen, was sie konsumieren“, so Gallwitz.

Hintergrund: Ob in Kaffeepulver, Kaugummis oder in Instantsuppen – die winzigen Nanoteilchen stecken schon jetzt in vielen Lebensmitteln. Auch gibt es bereits seit Dezember 2014 eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht. In der so genannten Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) ist seitdem festgelegt, dass Zutaten in zusammengesetzten Lebensmitteln, die „technisch hergestelltes Nanomaterial“ darstellen, zu kennzeichnen sind. Der Name der Zutat muss demnach die Zusatz-Silbe „nano“ führen.

Kennzeichnung fehlt oft

„Wer jedoch in Supermarktregalen nach dem Hinweis ‚nano‘ auf Lebensmitteln sucht, wird das oft vergeblich tun“, stellt Garlichs fest. Denn nach wie vor gibt es keine Einigkeit darüber, was mit „technisch hergestelltem Nanomaterial“ genau gemeint ist und welche Zutaten so einzuordnen sind. Bisher haben Europäische Kommission und Europäisches Parlament weder Leitlinien erlassen noch Empfehlungen zur Analytik gegeben.

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