Werden Hochbetagte schlecht versorgt?

Scharfe Kritik übt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) an der Debatte um den Barmer-Krankenhausreport 2017. Verkürzte Aussagen vermitteln das Bild, dass hochbetagte Patienten in deutschen Krankenhäusern nicht gut versorgt werden.

„Das Gegenteil ist im internationalen Vergleich der Fall“, sagt DGG-Präsident Professor Jürgen M. Bauer, Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg und Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg. „Der alte Mensch darf sich in deutschen Krankenhäusern in guten Händen wissen!“

„Grob vereinfachende Darstellung“

Die Krankenkasse beklagt pauschal steigende Kosten, bemängelt eine zu hohe Pflegebedürftigkeit nach einem Krankenhausaufenthalt, betrachtet die Ursachen aber undifferenziert – und das zu Lasten älterer Patienten. „Dieser grob vereinfachenden Darstellung müssen wir widersprechen“, sagt Bauer.

Was kritisiert der Altersmediziner konkret an diesem Krankenhausreport?

„Mich ärgern vor allem die verkürzten Darstellungen der Report-Ergebnisse. Diese suggerieren der Öffentlichkeit, dass für die Geriatrie finanzielle Interessen im Vordergrund stehen und nicht der individuelle Behandlungsbedarf der Patienten. Dies zeichnet ein falsches Bild!

Natürlich steht für uns Ärzte und unsere Teams das Wohlergehen unserer Patienten an erster Stelle. Zudem wurden im Kontext des Barmer-Reports die Behandlungsergebnisse bei Patienten der Akut-Geriatrie und solchen der Reha-Geriatrie pauschal in einen Topf geworfen.

Es handelt sich jedoch um zwei gänzlich unterschiedliche Patientengruppen, die nicht ohne weiteres miteinander zu vergleichen sind. Schon gar nicht bei der Bewertung des Reha-Erfolgs.“

Warum stehen Reha-Maßnahmen im Zentrum?

Weil Reha-Maßnahmen als geriatrische Frührehabilitation auch in den Akutkliniken an sich einen durchaus relevanten Kostenfaktor darstellen, so Professor Jürgen M. Bauer.

„Die Krankenkassen befürchten hier einen weiteren deutlichen Kostenanstieg. Alle Versicherer haben mit steigenden Kosten für die Behandlung ältere Patienten zu kämpfen.

Das liegt vor allem an der demografischen Entwicklung, aber auch den vielen neuen medizinischen Verfahren, von denen auch Hochbetagte profitieren.

Die Bedeutung und die Vorteile eines frühzeitigen rehabilitativen Angebots, welches die Krankenhausbehandlung bei betagten Patienten ergänzt, darf nicht in Frage gestellt. Dies wäre geradezu fahrlässig, wenn man die Notwendigkeit des Erhalts der Selbständigkeit und Autonomie des älteren Patienten bedenkt.“

Geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung

Es werde suggeriert, dass die geriatrische Frührehabilitation im Akutkrankenhaus im Vergleich zu „klassischen“ Reha-Angeboten weniger erfolgreich seien, da gemäß der Zahlen der Barmer nach der ersteren mehr Patienten pflegebedürftig seien.

Fakt sei aber, dass beide Formen der geriatrischen Rehabilitation nachweislich Erfolge zeigten. Jedoch unterscheiden sich die Patienten in den beiden Behandlungsformen grundlegend.

In den Akutkliniken erhielten die älteren Patienten eine geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung, damit sie trotz der funktionellen Beeinträchtigung durch ihre akuten und chronischen Erkrankungen wieder nach Hause zurückkehren können.

Oftmals sei im Anschluss an die geriatrische Frührehabilitation noch eine stationäre geriatrische Rehabilitation erforderlich, um dieses Behandlungsziel zu erreichen. In vielen Fällen könnten die älteren Patienten sogar ohne eine vorgeschaltete Frührehabilitation gar nicht in die stationäre Rehabilitation aufgenommen werden.

Die Patienten in der Frührehabilitation seien in der Regel wesentlich stärker in ihrer Funktionalität beeinträchtigt als dies bei den Reha-Patienten der Fall sei.

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