Übergewicht: Eine Operation hilft besser gegen Diabetes als Medikamente

Das hat eine Studie von Wissenschaftlern der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg um Prof. Dr. Beat Müller ergeben.

Das müssen Sie wissen:

– Bei sehr übergewichtigen Personen mit Typ-2-Diabetes können Schäden an den kleinen Blutgefäßen entstehen.

– Eine Operation verringert sich die Wahrscheinlichkeit für solche Schäden.

– Diese Operation wirkt vier Mal besser als Medikamente.

– Gegen Nierenschäden (Nephropathie), (sie machen Blutwäschen (Dialyse) notwendig)
ist eine OP sogar 15mal wirksamer als die bisher übliche Therapie. Nach der OP können sich bei Typ-2-Diabetikern die Nieren sogar wieder komplett erholen.

– Bei einer OP kann beispielsweise ein Magen-Bypass gelegt werden, oder der Magen verkleinert werden.

– Schon kurz nach der Operation verbessern sich die Blutzuckerwerte.

– Keine OP ist ohne Risiken.

– Nach der OP muss man sich richtig ernähren, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Hier noch Details:

Zu den mit Diabetes einhergehenden Gefäßschäden gehören die diabetische Nephropathie, Neuropathie und Retinopathie – also Schäden, die Nieren, Nerven und Augen betreffen. Diese Komplikationen sind für die hohen Folgekosten von Typ-2-Diabetes verantwortlich und können langfristig zu Dialyse, Amputationen und Blindheit führen. Die Ursache dieser Spätschäden ist nicht restlos geklärt und deshalb auch schwierig medikamentös zu behandeln.

Die meisten aktuellen Diabetesmedikamente können die Entstehung dieser diabetischen Spätschäden kaum verhindern. „Eine große von uns berücksichtigte Untersuchung zeigte, dass bei der bisherigen Therapie statistisch gesehen 250 Patienten vergeblich einer intensiven Insulin-Therapie ausgesetzt werden müssen, um einen einzigen vor einer Nephropathie zu bewahren“, sagt Prof. Dr. Beat Müller, Senior-Autor der Studie. „Demgegenüber verbessert sich laut Statistik eine bestehende Nephropathie bei jedem zweiten Patienten in Folge einer gewichtsreduzierenden Operation. In der Behandlung von Typ-2-Diabetes gerät durch diese Ergebnisse ein Weltbild ins Wanken, denn früher hat man gedacht, dass man die Folgeschäden vermeiden kann, wenn nur der Blutzucker medikamentös richtig eingestellt wird“, fasst er zusammen. „Zu berücksichtigen ist außerdem, dass eine zu scharfe medikamentöse Einstellung auch riskant ist, weil sie zu einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung oder zu einer zusätzlichen Gewichtszunahme führen kann.“

Adipositaschirurgie: keine „Lifestyle-Chirurgie“

Prof. Dr. Beat Müller und seine Co-Autoren plädieren nachdrücklich für ein Umdenken im Umgang mit der häufig mit Typ-2-Diabetes in Verbindung stehenden Erkrankung Adipositas. „Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass stark übergewichtige Menschen ihren Zustand selbst verschuldet haben und deshalb auch nur durch eine radikale, entbehrungsreiche Lebensstiländerung gesund werden können.“ Ein erster Schritt wurde erreicht, als Adipositas im Jahr 2000 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Krankheit anerkannt wurde. „Die Ursache für Adipositas ist wahrscheinlich eher ein überoptimierter Energiehaushalt als Maßlosigkeit. Die betroffenen Menschen könnten unter Lebensumständen, in denen die Nahrung knapp ist, vermutlich besser überleben als andere und leiden nun darunter, dass unser Lebensstil mit einem ständigen Überangebot an Nahrungsmitteln einhergeht.“ Eine Operation ist seiner Ansicht nach daher keine „Lifestyle-Chirurgie“, die dicke Menschen auf einfache Weise dünner machen soll, sondern gerade für adipöse Typ-2-Diabetiker lebensrettender Ausweg aus einem Dilemma.

Rasche Verbesserung der Blutzuckerwerte

Typische Verfahren der Adipositaschirurgie sind der Magenbypass, bei dem der Magen durch einen Teil des Dünndarms überbrückt wird, und die Verkleinerung des Magenvolumens zu einem so genannten Schlauchmagen. Noch sind die genauen Zusammenhänge unklar, die erklären können, warum diese Operationen so extrem wirksam sind. „Eine Verbesserung der Blutzuckerwerte zeigt sich bereits kurz nach der Operation, also noch bevor die Patienten ein Kilogramm an Gewicht verloren haben“, fasst Prof. Dr. Beat Müller zusammen. Anscheinend sind andere Mechanismen für die Entstehung der Gefäßschäden bei Diabetes-Typ-2 relevant, die von einer Operation positiv beeinflusst werden. Die Aufklärung der exakten Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel wird Fragestellung weiterer Forschungsarbeiten der Zukunft sein.“
Völlig ohne Risiko ist eine Operation jedoch ebenfalls nicht, auch wenn die Heidelberger Mediziner mit Methoden der minimal-invasiven Chirurgie arbeiten. Auch das zukünftige Leben bleibt geprägt von der Erkrankung, denn es muss auf eine besondere Ernährung geachtet werden, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

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